Buchreview: Allen Steele – Arkwright

arkwright
(C) Tor Books New York

Was wäre, wenn enthusiastische Schriftsteller Science-Fiction-Utopien nicht nur imaginierten, sondern auch versuchen würden, diese zu realisieren – und dauerte diese Unternehmung auch viele Generationen?!
Von dieser seit jeher existenten Inspirationskraft der Science-Fiction-Literatur auf realweltliche wissenschaftliche Progression erzählt Allen Steeles ‚Arkwright‘.
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Protagonist Nathan Arkwright, sehr erfolgreicher fiktiver Science-Fiction-Autor der „Golden Age of Science Fiction“ ist besessen vom Gedanken, die Idee der interstellaren Erforschung und der humanoiden Besiedlung eines Exoplaneten Realität werden zu lassen. Aus diesem Grund gründet er die Arkwright-Foundation, um Planung und Bau eines Sternenschiffs und die Besiedlung eines Planeten in einem benachbarten Sonnensystem Realität werden zu lassen. Viele Generationen später startet dieses Sternenschiff tatsächlich.
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‚Arkwright‘ ist teils „Alternative Geschichte„, teils Science-Fiction-Roman. Man könnte gar behaupten, dass es einer der Romane mit einem der längsten Prologe überhaupt ist und dass die eigentliche Geschichte erst im letzten Drittel auf Seite 261 beginnt.

Amüsant: realweltliche Ereignisse wie die erste „World Science Fiction Convention“ von 1939, die im Science-Fiction-Fandom längst selbst zum Mythos geworden sind, werden hier mit fiktiven vermischt. So erlebt man „echte“ Schriftsteller und ihre erfundenen Counterparts in einer Geschichte vermengt.

Unangenehm: diese seltsame und extreme Fixierung auf Erbfolge. Arkwright ist der Name des Familiengründers, und wird auch der Name eines derjenigen sein, der viele, viele Jahre in der Zukunft als Nachfahre des Originals auf einem fremden Planeten sein wird. Bei so vielen Großvätern, Müttern, Groß-Groß-Großvätern, Groß-Großmüttern …… kann man schon mal den Überblick und die Lust verlieren.
Warum ist die Besiedlung dieses Exoplaneten eine Sache buchstäblich EINER Familie, die sich über die Generationen immer weiter fortpflanzt, mit dem Ziel, dem Projekt zu dienen. Warum ist das Sternenschiff „Galactique“ nicht einfach ein Projekt der Menschheit, sondern das einer einzigen Familie, die sich dann noch wie Mitglieder des exklusiven Lions Clubs gerieren?! ‚Arkwright‘ ist wirklich von Anfang bis Ende besessen von Erbfolge. Desweiteren sieht der Roman es als natürlich an, dass selbstredend alle Nachfahren Wissenschaftler werden und ihr Leben in den Dienst der Sache stellen. Grundsätzlich werden hier Nachkommen nur gezeugt, um das Projekt innerhalb der eigenen Blutlinie zu erhalten. Schräg.
Die (äußerst kurz erzählten) Geschehnisse um den terraformten und besiedelten Exoplaneten erinnern schließlich doch sehr deutlich an Adrian Tchaikovskys preisgekrönten Roman: Children of Time
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Fazit: Kurzweiliger Lesespaß, der realweltliche Ereignisse des Science-Fiction-Fandoms und dessen zentrale Personen mit einer fiktiven Erzählung verknüpft. Recht gradliniges und simples Plotting.
Fragwürdige und in Teilen unglaubwürdige Obsession einer genetischen Erbfolge.
Erschien mir bei aller wissenschaftlichen Akkuratheit in technischen Details in seiner Gesamtheit weit weniger „hard science fiction“ als es der Klappentext versprach.

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